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Digitales Variophon (gefördert von der DFG)

Das Variophon ist ein Blassynthesizer, der in den 1970/80er Jahren am Musikwissenschaftlichen Institut der Universität zu Köln entwickelt wurde und der auf einem damals völlig neuartigem Syntheseprinzip beruhte: der Impulsformung (vgl. Voigt 1975; Fricke 1975), einer Art Alternative zum später entwickelten Physical Modeling. Der Kerngedanke dieses Prinzips war, dass jeder Blasinstrumentenklang im Grunde auf seine Anregungsimpulse zurückführbar ist (Schwingungen der anregenden Rohrblätter oder Lippen), die sich unabhängig von der Grundtonhöhe stets nach den gleichen Gesetzmäßigkeiten verhalten und in denen sich klanglich die Schumannschen Klangfarbengesetze (vgl. Schumann 1929; Mertens 1975) widerspiegeln. Das Variophon war damals die Antwort auf die grundlegende Frage, wie die Klangfarbe von Blasinstrumenten gebildet wird und warum die Schumannschen Klangfarbengesetze so funktionieren, wie man sie seit 1929 kennt. Es war der schlagende Beweis dafür, dass Blasinstrumentenklänge auf einfachen logischen Gesetzmäßigkeiten beruhen, die in allen Spielnuancen in der Form ihrer Anregungsimpulse verborgen liegen (vgl. Reichardt 1975, 1027-1028; Sieber 1977, 1163-1166; Enders 1997; Lösener 2003).

In dem von der Deutschen Forschungsgemeischaft (DFG) geförderten Projekt soll die Umsetzung eines Variophons auf Software-Ebene realisiert werden. Dadurch wird ermöglicht, die Anregungsimpulse von Originalinstrumenten mit Hilfe von kosinusförmigen oder mehreckigen Impulsen mit frei einstellbaren Impulsflanken zu synthetisieren. Dies kommt der originalen Klangerzeugung bedeutend näher, als die im ursprünglichen Variophon zur Simulation der Öffnungs- und Schließzeiten der Rohrblätter verwendeten Rechteckschwingungen, die ja unendlich kleine, nicht den tatsächlichen Vorgängen entsprechende Öffnungs- und Verschlusszeiten implizieren.

Die daraus resultierende digital verfügbare und musikwissenschaftlich fundierte Klangsynthesetechnik wäre nicht nur ein Experimentierfeld, was die Analyse und Synthese von (Blas)-Instrumentenklängen innerhalb der Klangfarbenforschung betrifft, sondern auch als Synthesizer wäre eine solche Software eine Alternative zu aktuellen Physical Modeling Applikationen, da sie zum einen dort ansetzt, wo der Klang entsteht (am Mundstück des Instruments) und zum anderen ein einziger Blaswandler ausreicht, um alle klanglichen Nuancen wie auf einem richtigen Instrument zu erzeugen, während man bei Physical-Modeling-Synthesizern mehrere Modulationsräder, Pedale u.ä. Spielhilfen dazu benötigt.

Das digitale Variophon wird mit drei Instrumentenmodulen zunächst in der von Native Instruments bereitgestellten Umgebung Reaktor 4 erstellt und dann mit Hilfe der VST-Development Library (Virtual Studio Technology von Steinberg) in C++ programmiert.